Junghund in der Flegelphase: Fundament legen und Pubertät begleiten

Junghundegruppe bei foxred & brindle in Liestal: Hunde lernen im Indoor-Trainingscenter unter Anleitung von Hundetrainer Jens

Wissen, das bleibt

Junghund in der Flegelphase: Fundament legen und Pubertät begleiten

Vor ein paar Wochen war dein Hund noch ein Welpe, der dir auf Schritt und Tritt gefolgt ist. Jetzt zieht er an der Leine, hört bei Ablenkung weg und scheint manchmal zu vergessen, was gestern noch gut funktioniert hat. Willkommen in der Junghundezeit. Sie ist keine Phase, die sich von selbst erledigt, sondern die Zeit, in der entsteht, worauf später alles aufbaut.

Worum es in dieser Zeit geht

Die Junghundezeit beginnt, wenn die Welpenzeit langsam endet, etwa ab dem vierten Monat. Wirklich erwachsen ist ein Hund aber erst deutlich später. Je nach Typ, Rasse und individueller Entwicklung zieht sich diese Zeit bis weit ins zweite Lebensjahr.

In dieser Spanne passieren zwei unterschiedliche Dinge. Zuerst legst du ein Fundament, solange dein Hund noch offen, neugierig und gut erreichbar ist. Später, wenn die Adoleszenz dazukommt, begleitest du ihn durch eine stürmischere Zeit, ohne Beziehung, Orientierung und Alltagssicherheit zu verlieren.

Deshalb erziehen wir Junghunde in zwei Stufen: Beginner und Adoleszenz. Nicht, weil Hunde nach Kalender funktionieren, sondern weil ein vier Monate alter Junghund andere Aufgaben hat als ein Hund, der mitten in der Pubertät steht.

Was in der Pubertät passiert

Mitten in der Junghundezeit liegt die Pubertät, umgangssprachlich die Flegelphase. Das Gehirn baut um, Aussenreize wirken stärker, Impulse sind schwerer zu sortieren und manches Verhalten erscheint plötzlich unberechenbarer. Dass ein Junghund plötzlich nicht mehr hört, wirkt wie Sturheit, ist aber häufig Entwicklung.

Das bedeutet nicht, dass jetzt alles laufen darf. Das Training muss aber fair aufgebaut sein: Signale übst du unter Bedingungen, die der Hund bewältigen kann, und Ablenkung steigerst du in kleinen Schritten. Und wenn er einen schlechten Tag hat, ist das kein Trotz, sondern ein Hinweis, den Rahmen anzupassen.

Mehr zur biologischen Seite findest du in unserem Artikel «Adoleszenz beim Hund: was in der Pubertät wirklich passiert».

Wie wir diese Zeit sehen

Für uns ist die Junghundezeit keine Frage von Strenge oder Durchsetzen. Ein Hund, der gerade vieles infrage stellt, braucht keine härtere Hand, sondern verlässliche Führung, faire Regeln und Menschen, die Entwicklung von Ungehorsam unterscheiden können.

Wir arbeiten über gewaltfreie Kommunikation, kleinschrittigen Aufbau und eine Beziehung, die auch dann trägt, wenn es schwieriger wird. Das heisst klare, faire Grenzen ohne Einschüchterung oder Härte. Und es heisst, Situationen vorausschauend zu gestalten, statt den Hund ständig zu kontrollieren.

Je früher diese Basis entsteht, desto leichter wird die spätere Phase. Vieles lässt sich einfacher aufbauen, bevor es im Alltag festgefahren ist.

Beginner: das Fundament, bevor es stürmisch wird

Die Beginner-Gruppe richtet sich an junge Hunde etwa vom vierten bis achten Lebensmonat. Hier geht es um Grundlagen, nicht um Tempo. Dein Hund lernt, sich an dir zu orientieren, mit dir zusammenzuarbeiten und kleine Herausforderungen zu bewältigen, ohne innerlich zu kippen.

Eine typische Einheit beginnt mit Ankommen. Die Hunde dürfen den Raum wahrnehmen, die Menschen sortieren sich, und wir schauen zuerst: Wie ist der Hund heute da? Aufgeregt, müde, neugierig, unsicher, sehr nach vorne? Daraus ergibt sich, wie viel Nähe, Abstand und Schwierigkeit sinnvoll sind.

Dann folgen kurze Übungssequenzen. Wir arbeiten zum Beispiel an Orientierung an der Leine, am Ansprechbarsein, an ersten Alltagssignalen, am Rückrufaufbau und an Ruhe in Anwesenheit anderer Hunde. Wichtig ist nicht nur, ob der Hund etwas ausführt, sondern wie er dabei bleibt: erreichbar, interessiert, noch lernfähig.

Ein typisches Bild aus dieser Stufe: Der junge Hund möchte zu allem hin. Zu Menschen, zu Hunden, zu Gerüchen, zu Bewegungen. Viele Halter versuchen dann, ihn nur zurückzuhalten. Im Training drehen wir die Aufgabe um: Wir bringen ihm bei, sich kurz zu orientieren, eine Alternative anzunehmen und wieder mit seinem Menschen in Kontakt zu kommen.

Der häufigste Aha-Moment ist oft genau das: Leine und Signal ersetzen keine Beziehung. Wenn du früher reagierst, die Aufgabe kleiner machst und gutes Verhalten im richtigen Moment belohnst, musst du später viel weniger korrigieren.

Was Hunde in der Beginner-Zeit lernen sollen

Sie lernen Grundlagen, keine Perfektion: zurück zum Menschen finden, auch wenn die Umgebung lockt; kleine Frustrationen aushalten; auf ein Signal reagieren; nach Aufregung wieder herunterfahren; und erleben, dass ihr Mensch Orientierung gibt, ohne Druck aufzubauen.

Für dich als Halter ist diese Phase genauso wichtig. Du lernst, Verhalten früher zu lesen, Belohnungen sinnvoll einzusetzen, Pausen zuzulassen und nicht jedes unerwünschte Verhalten sofort als Problem zu behandeln. Vieles, was später nach «Pubertätschaos» aussieht, hat hier seine Basis.

Adoleszenz: wenn die Welt lauter wird

Ab etwa acht Monaten verändert sich der Schwerpunkt. Viele Hunde werden reaktiver, schneller erregbar oder selektiver in dem, was sie aufnehmen. Aussenreize gewinnen an Gewicht: andere Hunde, Wildgeruch, Menschen, Bewegungen, neue Orte. Junghunde testen jetzt nicht einfach Grenzen aus, um dich zu ärgern. Sie erleben ihre Umwelt anders und brauchen einen Rahmen, der damit umgehen kann.

In der Adoleszenz-Gruppe geht es deshalb stärker um Regulation. Wir üben Signale unter Ablenkung, aber nicht als Prüfung, sondern als Aufbau. Wir achten auf Körpersprache, Abstand, Erregung und Belastbarkeit. Und wir arbeiten daran, dass der Hund auch in schwierigeren Momenten wieder in Kontakt kommen kann.

Eine typische Einheit mischt kontrollierte Begegnung, Signalarbeit und Ruhe. Mal steht eine Hundebegegnung im Mittelpunkt, mal der Rückruf unter Ablenkung, ein anderes Mal der Wechsel zwischen Aktivierung und Entspannung. Entscheidend ist, dass die Hunde nicht in Situationen geschoben werden, die sie noch nicht bewältigen können.

Ein typisches Beispiel: Zwei Junghunde sehen sich auf Distanz. Der eine fixiert, der andere wird schneller, der Mensch spannt die Leine. Jetzt wäre es leicht, nur am Symptom zu arbeiten: Leine kurz, Hund weiterziehen, «Nein». Sinnvoller ist, die Distanz so zu wählen, dass der Hund noch denken kann, dass eine Orientierung zum Menschen möglich bleibt und eine ruhige Alternative belohnt werden kann. So entsteht Lernen statt blosses Durchhalten.

Was viele Halter hier überrascht: Weniger Druck führt oft zu mehr Kooperation. Wenn der Hund nicht überfordert wird, muss er nicht so laut werden. Und wenn du die Situation früher erkennst, kannst du führen, bevor aus Anspannung ein Konflikt wird.

Entwicklung oder Sturheit? Woran du den Unterschied siehst

Was wie Trotz wirkt, ist in dieser Zeit meistens Entwicklung. Daran erkennst du es:

  • Er reagiert schlechter bei Aufregung, Ablenkung oder an neuen Orten, aber zu Hause in Ruhe klappt es.
  • Es schwankt von Tag zu Tag, statt gleichmässig schlechter zu werden.
  • Unter Reizen wird er langsamer oder abgelenkt, nicht gezielt widerständig.
  • Mit mehr Abstand oder einer kleineren Aufgabe ist er sofort wieder dabei.

Echte Sturheit gibt es kaum. Meist fehlt Übung in genau dieser Situation, oder der Hund ist überfordert.

Was in dieser Phase nicht hilft

Nicht hilfreich ist es, die Pubertät als Machtkampf zu behandeln. Mehr Druck, härtere Korrekturen oder ständiges «da muss er durch» machen den Hund selten stabiler. Sie erhöhen oft nur die Anspannung und verschlechtern die Beziehung.

Genauso wenig hilft es, alle Regeln aufzugeben, weil «es ja nur die Pubertät» ist. Junghunde brauchen weiterhin Orientierung. Aber Orientierung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Wiederholung, passende Schwierigkeit, gute Belohnung, sinnvolles Management und Menschen, die berechenbar bleiben.

Was die Gruppe leisten kann und wo Einzeltraining sinnvoll ist

Eine Junghundegruppe ist ein guter Rahmen, um mit anderen Teams zu üben, Ablenkung dosiert einzubauen und Alltagssituationen unter Anleitung zu trainieren. Sie ersetzt aber keine individuelle Verhaltensabklärung, wenn ein Hund stark ängstlich, aggressiv, dauerhaft überfordert oder im Alltag kaum mehr erreichbar ist.

Wenn ein Thema in der Gruppe nicht genug Raum hat, ist Personal Coaching der passende Rahmen. Dort schauen wir genauer hin: auf Vorgeschichte, Alltag, Auslöser, Management und einen Trainingsplan, der zu diesem Hund und dieser Familie passt.

Ergänzende Angebote für diese Zeit

Manche Themen lassen sich in der Gruppe gut anbahnen, brauchen aber zusätzliche Vertiefung. Für sinnvolle Auslastung ohne Leistungsdruck gibt es die Indoor Fun-Edition. Dort geht es um Bewegung, Koordination und gemeinsame Aufgaben, ohne dass Hundekontakte im Vordergrund stehen.

Spezialthemen wie Leinenführigkeit, Begegnungstraining, Maulkorbtraining oder Medical Training vertiefen wir in Workshops. So bleibt die Junghundegruppe der rote Faden, während einzelne Alltagsthemen dort mehr Raum bekommen, wo sie hingehören.

Warum diese Zeit so wichtig ist

Die Junghundezeit entscheidet nicht alles, aber sie prägt viel. Ein Hund, der in dieser Phase lernt, dass sein Mensch Orientierung gibt, dass Training verständlich ist und dass schwierige Situationen lösbar bleiben, nimmt genau diese Erfahrung mit ins Erwachsenwerden.

Du musst diese Zeit nicht allein sortieren. In unserer Junghundegruppe in Liestal begleiten wir dich und deinen Hund durch beide Phasen: vom ersten Fundament in der Beginner-Zeit (etwa 4. bis 8. Lebensmonat) bis in die stürmischere Adoleszenz (etwa 8. bis 24. Lebensmonat). Danach geht es in der Familienhundegruppe weiter.

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Wenn du mit deinem Junghund ein stabiles Fundament aufbauen möchtest, findest du alle Termine und Informationen auf unserer Serviceseite zur Junghundegruppe.

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Ich bin Jens

Mitgründer von foxred & brindle und zertifizierter Hundeinstruktor (HIK-1-plus). Ich trainiere Hunde und ihre Menschen, vom Welpen bis zum Familienhund. Was ich schreibe, kommt nicht nur aus dem Lehrbuch, sondern aus dem, was ich jeden Tag in unserem Indoor-Trainingscenter sehe.