Kauartikel und Knochen: was sie bringen und worauf du achten musst

Gelber Labrador liegt im Gras und kaut auf einem grossen rohen Knochen.

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Kauartikel und Knochen: was sie bringen und worauf du achten musst

Kauen gehört für viele Hunde zum Alltag. Es beschäftigt, hilft beim Herunterfahren und kann einen Beitrag zur Zahnpflege leisten. Gleichzeitig sind Kauartikel nicht harmlos. Bei manchen entscheidet der Unterschied zwischen passend und zu hart über einen ruhigen Nachmittag oder einen Zahnbruch.

Warum Kauen guttut

Kauen ist mehr als Zeitvertreib. Viele Hunde werden dabei ruhiger, bauen Spannung ab und beschäftigen sich selbständig. Dazu kommt der mechanische Effekt auf die Zähne: Beim Kauen können Beläge abgerieben werden. In einer kleinen Studie mit acht Beagles reduzierte das Kauen roher Rinderknochen den bestehenden Zahnstein deutlich; bei spongiösen Knochen war der Effekt besonders stark (Marx et al. 2016).

Wichtig ist die Einordnung: Diese Studie zeigt einen möglichen Zahnpflegeeffekt unter kontrollierten Bedingungen. Sie beweist nicht, dass Knochen für jeden Hund sicher sind. Zahnpflege besteht nicht nur aus Zahnsteinabrieb. Das Zähneputzen bleibt, wenn es möglich ist, die zuverlässigste häusliche Massnahme; Kauartikel können ergänzen, aber nicht jedes Problem lösen.

Der harte Teil: Zahnbrüche

Das grösste Risiko liegt bei zu harten Artikeln. Geweih, Hörner, Hufe, sehr harte Nylon- oder Kunststoffknochen und tragende, harte Röhrenknochen können Zähne brechen. Tierzahnmedizinische Stellen nennen Knochen und Geweih ausdrücklich als häufige Ursache von Zahnfrakturen. Besonders betroffen sind oft die grossen Backenzähne, die beim seitlichen Kauen hohe Kräfte aufnehmen müssen.

Eine praktische Faustregel hilft im Alltag: Was sich mit dem Fingernagel nicht eindrücken lässt, nicht leicht nachgibt und beim Schlag gegen das eigene Knie unangenehm hart wirkt, ist für viele Hunde zu hart. Das ist keine wissenschaftliche Messung, aber ein sinnvoller Sicherheitsfilter. Ein Kauartikel darf beschäftigen, er soll aber nicht härter sein als der Zahn, der ihn zerlegen soll.

Knochen sind kein normales Leckerli

Gekochte, gebratene, gegrillte oder geräucherte Knochen gehören nicht in den Hund. Sie können splittern und den Verdauungstrakt verletzen. Auch rohe Knochen sind nicht automatisch sicher. Sie können Zähne beschädigen, stecken bleiben, zu Verstopfung oder sehr hartem Knochenkot führen und bei Schlingern im Ganzen oder in grossen Stücken problematisch werden. Die Risiken sind höher bei Welpen, Senioren, Hunden mit Zahnerkrankungen, sehr kräftigen Kauern, Schlingern und Hunden mit Magen-Darm-Vorgeschichte.

Wenn rohe, fleischige Knochen überhaupt eingesetzt werden, dann nicht als gedankenloser Snack, sondern bewusst: passend gross, eher weich und fleischig, unter Aufsicht, zeitlich begrenzt und mit Entfernen kleiner Endstücke. Bei empfindlichen Hunden, Kindern im Haushalt oder unsicherer Hygiene ist ein anderer Kauartikel meist die bessere Wahl.

Hygiene und Kalorien werden unterschätzt

Rohe tierische Produkte können Keime tragen. In Untersuchungen zu rohfleischbasierten Futtermitteln wurden unter anderem pathogene und antibiotikaresistente Enterobacteriaceae gefunden (Nüesch-Inderbinen et al. 2019). Das betrifft nicht jeden Kauartikel gleich stark, aber es zeigt den Grundsatz: Was roh oder tierisch ist, braucht saubere Lagerung, getrennte Vorbereitung, gründliches Händewaschen und gereinigte Flächen. Besondere Vorsicht gilt, wenn kleine Kinder, ältere Menschen, Schwangere oder immungeschwächte Personen im Haushalt leben.

Dazu kommt die Energie. Kauartikel sind keine Beschäftigung ohne Kalorien. Ochsenziemer, Kopfhaut, Ohren, Pansenstücke und ähnliche Produkte können je nach Grösse und Fettgehalt deutlich zur Tagesration beitragen. Bei Hunden mit empfindlichem Magen, Übergewicht oder Neigung zu Bauchspeicheldrüsenproblemen lohnt sich ein nüchterner Blick auf Menge, Fett und Häufigkeit.

Was sich im Alltag bewährt

Sicherer sind meist Kauartikel, die zur Grösse, Zahngesundheit und zum Kaustil des Hundes passen. Für Schlinger braucht es andere Formen als für sorgfältige Knabberer. Kleine Endstücke werden weggenommen, Kauartikel werden nicht zwischen mehreren Hunden verteilt, und bei Ressourcenverteidigung wird getrennt und ruhig gemanagt. Welpen und Junghunde bekommen weiche, passende Artikel, keine harten Knochen oder Geweihe.

Für die Zahnpflege sind Produkte mit nachvollziehbarer Prüfung sinnvoller als reine Werbeversprechen. Das Siegel des Veterinary Oral Health Council kann ein Hinweis sein, dass ein Produkt Daten zur Reduktion von Plaque oder Zahnstein vorgelegt hat. Trotzdem gilt auch dort: richtige Grösse wählen, Kalorien einrechnen und beobachten, wie der eigene Hund tatsächlich kaut.

Kauen ist wichtig und kann sehr wohltuend sein. Sicher wird es aber erst, wenn Härte, Grösse, Hygiene, Kalorien und Hund zusammenpassen. Ein guter Kauartikel beschäftigt den Hund. Ein schlechter fordert den Zahn heraus.

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Quellen und weiterführende Literatur

  1. Marx, F. R., Machado, G. S., Pezzali, J. G., Marcolla, C. S., Kessler, A. M., Ahlstrøm, Ø., & Trevizan, L. (2016): Raw beef bones as chewing items to reduce dental calculus in Beagle dogs. Australian Veterinary Journal, 94(1–2): 18–23. doi:10.1111/avj.12394
  2. Freeman, L. M., Chandler, M. L., Hamper, B. A., & Weeth, L. P. (2013): Current knowledge about the risks and benefits of raw meat-based diets for dogs and cats. Journal of the American Veterinary Medical Association, 243(11): 1549–1558. doi:10.2460/javma.243.11.1549
  3. Nüesch-Inderbinen, M., Treier, A., Zurfluh, K., & Stephan, R. (2019): Raw meat-based diets for companion animals: a potential source of transmission of pathogenic and antimicrobial-resistant Enterobacteriaceae. Royal Society Open Science, 6(10): 191170. doi:10.1098/rsos.191170
  4. Royal Veterinary College: Dog Dental Issues and Services. Hinweis zu Zahnfrakturen durch harte Gegenstände wie Knochen und Geweih sowie zur häuslichen Zahnpflege.
  5. Soltero-Rivera, M. M., Elliott, M. I., Hast, M. W., Shetye, S. S., Castejon-Gonzalez, A. C., Villamizar-Martinez, L. A., Stefanovski, D., & Reiter, A. M. (2019): Fracture limits of maxillary fourth premolar teeth in domestic dogs under applied forces. Frontiers in Veterinary Science, 5: 339. doi:10.3389/fvets.2018.00339
  6. Veterinary Oral Health Council: Accepted Products. Übersicht geprüfter Produkte zur Reduktion von Plaque und/oder Zahnstein.
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Ich bin Michael

Mitgründer von foxred & brindle und verantwortlich für die BARF-Ernährungsberatung. Artgerechte Fütterung ist für mich kein Trend, sondern Grundlage. Ich schreibe über das, was ich in der Praxis sehe und was Hundehalter wirklich wissen wollen: fundiert, direkt und ohne Umwege.