Wissen, das bleibt
Die ersten Tage mit deinem Welpen: Was wirklich zählt
Die ersten Tage mit deinem Welpen: Was wirklich zählt
Du hast dich entschieden. Der Welpe ist da, oder er kommt in den nächsten Tagen. Vielleicht hast du dich monatelang vorbereitet, vielleicht ging es schneller als geplant. So oder so: Die ersten Tage sind intensiv. Nicht weil alles perfekt laufen muss, sondern weil jetzt die Grundlage entsteht, auf der alles Weitere aufbaut.
Hier ist, was wir aus der Praxis wissen und was wir uns gewünscht hätten, dass uns jemand vorher gesagt hätte.
Ankommen lassen
Der häufigste Fehler am ersten Tag: zu viel auf einmal. Der Welpe hat gerade alles verloren, was er kennt. Sein Rudel, seine Geschwister, die vertrauten Gerüche, den gewohnten Rhythmus. Alles ist neu. Dein Zuhause, deine Stimme, dein Geruch, die Böden, die Geräusche. Das ist für einen Welpen, der wenige Wochen alt ist, eine enorme Leistung.
Lass ihn ankommen. Das heisst: nicht sofort die ganze Familie einladen, nicht drei Spaziergänge am ersten Tag, nicht alle Räume auf einmal. Ein ruhiger Raum, eine weiche Decke, deine Nähe. Mehr braucht es am Anfang nicht. Wenn du etwas vom Züchter mitbekommen hast, das nach dem bisherigen Zuhause riecht, leg es dazu. Das gibt Sicherheit. Als Torvi bei uns ankam, hat sie sich sofort auf die Decke gelegt, die nach ihrer Mutter roch. Das war ihr Anker in einer Welt, die plötzlich komplett anders war.
Und überfordere deinen Welpen nicht mit Bewegung. Als Orientierung: etwa fünf Minuten am Stück pro Lebensmonat. Ein zehn Wochen alter Welpe braucht keine halbstündigen Spaziergänge, zehn Minuten reichen. Ein bisschen Garten, ein bisschen Strasse, dann wieder rein. Die Welt ist gross genug, sie läuft nicht weg.
Stubenreinheit: Geduld und Rhythmus
Welpen können ihre Blase und Verdauung erst ab etwa vier Monaten zunehmend kontrollieren. Vollständig stubenrein sind die meisten Hunde erst mit fünf bis sechs Monaten. Vorher passiert es einfach, egal wie gut du aufpasst. Das ist kein Fehlverhalten, das ist Entwicklung.
Was du tun kannst: Geh regelmässig mit deinem Welpen raus. Nach dem Schlafen, nach dem Fressen, nach dem Spielen, und zwischendurch. Immer an die gleiche Stelle, wenn möglich. Sobald er sein Geschäft draussen erledigt, sofort belohnen, mit einem Leckerli und einem ruhigen Lob. Immer dasselbe Wort dazu, damit er die Verknüpfung aufbauen kann.
Nachts heisst das: Wecker stellen. In den ersten Wochen alle zwei bis drei Stunden, je jünger der Welpe, desto öfter. Nacht für Nacht. Das ist anstrengend, ja. Aber es lohnt sich. Welpen, die von Anfang an regelmässig die Möglichkeit bekommen, draussen ihr Geschäft zu machen, lernen schneller. Und wenn doch mal etwas drinnen passiert: ruhig aufwischen, kein Schimpfen. Der Welpe verbindet Strafe nicht mit dem, was er vor Minuten getan hat. Er verbindet sie mit dir.
Durchfall in den ersten Tagen
Es kann gut sein, dass dein Welpe in den ersten Tagen Durchfall bekommt. Das liegt meistens am Stress. Neues Umfeld, neue Menschen, neuer Rhythmus, das schlägt auf den Magen, bei Hunden genauso wie bei uns.
Sprich mit deinem Züchter oder Tierarzt. In vielen Fällen hilft es, in den ersten Tagen auf leicht verdauliches Futter umzustellen: gekochter Reis mit Hühnchen zum Beispiel. Auch Morosche Karottensuppe ist ein bewährtes Hausmittel. Wird es nach ein paar Tagen nicht besser oder kommen weitere Symptome dazu, geh zum Tierarzt.
→ Mehr dazu in unserem Artikel: Morosche Karottensuppe: Warum sie bei Durchfall hilft
Schlafplatz: Nähe, aber Grenzen
Dein Welpe braucht einen eigenen Platz, an dem er sich sicher fühlt. Das kann ein Körbchen sein, eine Box oder eine Decke. Wichtig ist: Es ist sein Ort. Dort wird er nicht gestört, dort kann er sich zurückziehen, wenn ihm alles zu viel wird.
Wo dieser Platz steht, hängt von euch ab. In den ersten Nächten darf er gerne in eurer Nähe sein, im Schlafzimmer zum Beispiel. Das gibt dem Welpen Sicherheit und dir die Möglichkeit, seine Signale zu hören. Ob der Hund dauerhaft im Schlafzimmer schläft oder nicht, könnt ihr später entscheiden. Am Anfang geht es darum, dass er sich nicht allein fühlt.
Eines sollte von Anfang an feststehen: Der Schlafplatz ist sein Rückzugsort. Kein Spielplatz, kein Ort für Erziehungsmassnahmen. Wenn der Welpe dort liegt, hat er Ruhe verdient.
Die ersten Kommandos: Weniger ist mehr
In den ersten Tagen geht es nicht um Sitz und Platz. Es geht darum, dass dein Welpe lernt, dir zu vertrauen. Dass er versteht: Du bist da, du bist berechenbar, bei dir ist es sicher.
Wenn du mit Kommandos starten willst, fang mit einem an. Nicht drei, nicht fünf. Eines. Und belohne konsequent, jedes Mal, wenn er es richtig macht. Was ihn motiviert, musst du herausfinden: Leckerli, Schlecktube, Spielzeug, ein bestimmtes Lob. Jeder Hund ist anders.
Und: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Manche Trainer arbeiten von Anfang an mit Worten. Andere stärken zuerst das Verhalten wortlos und verknüpfen das Kommando erst später. Beides kann funktionieren. Entscheidend ist, dass du konsequent bist. Nicht streng, nicht hart. Einfach beständig. Immer dieselbe Reaktion, immer dieselbe Erwartung. Das gibt deinem Welpen Orientierung. Und Orientierung gibt Sicherheit.
Wenn du unsicher bist, wo du anfangen sollst: Wende dich an eine Hundeschule in deiner Nähe. Ein guter Trainer sieht dich und deinen Welpen zusammen, erkennt, was funktioniert und was nicht, und passt das Training an eure Situation an. Das kann kein Onlinekurs und kein Trainingstipp aus den sozialen Medien ersetzen, egal wie überzeugend er verpackt ist.
Was jetzt nicht wichtig ist
Perfektion. Dein Welpe wird ins Haus pinkeln. Er wird Schuhe anknabbern, Tischbeine testen und Dinge fressen, die nicht zum Fressen gedacht sind. Das gehört dazu. Ihr lernt beide gerade, miteinander zu leben. Das braucht Zeit.
Was zählt: Dass du da bist. Dass du ruhig bleibst. Dass dein Welpe merkt, hier bin ich sicher, hier gehöre ich hin.
Der Rest kommt.
→ Wie sich die ersten Tage mit einem Welpen wirklich anfühlen, erzählt Irina in «Mein Leben mit Torvi».
Ich bin Jens
Mitgründer von foxred & brindle und zertifizierter Hundeinstruktor (HIK-1-plus). Ich trainiere Hunde und ihre Menschen, vom Welpen bis zum Familienhund. Was ich schreibe, kommt nicht nur aus dem Lehrbuch, sondern aus dem, was ich jeden Tag in unserem Indoor-Trainingscenter sehe.
Ich bin Michael
Mitgründer von foxred & brindle und verantwortlich für die BARF-Ernährungsberatung. Artgerechte Fütterung ist für mich kein Trend, sondern Grundlage. Ich schreibe über das, was ich in der Praxis sehe und was Hundehalter wirklich wissen wollen: fundiert, direkt und ohne Umwege.