Der erste Sonntag – Welpengruppe Teil 1

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Geschichten aus dem echten Leben

Der erste Sonntag – Welpengruppe Teil 1

✍️ Ich

Ich hatte die Welpengruppe über das Internet gefunden. Sie hatte bereits eine Woche zuvor begonnen, aber als ich anrief, meinte die Trainerin, ich dürfte mit Torvi noch einsteigen. Was ich von vorneherein grossartig fand: Sie fand jeden Sonntagvormittag statt. An den meisten Sonntagen hatte ich frei. Ich hatte unter der Woche so wenig Zeit mit Torvi und fand es toll, dass ich das mit ihr alleine machen konnte. So wurden die Sonntage zu unserer Zeit, Torvis und meiner.

Also fuhren wir am nächsten Sonntag hin.

Der Weg dorthin führte durch Felder und Wiesen, vorbei an Pferdehöfen und vereinzelten Bauernhöfen. Nach etwa fünfzehn Minuten Fahrt kamen wir an einem Hof mit grossem Gelände an. Wie ich später erfuhr, betrieben die Besitzer auch eine Hundepension. Der Übungsplatz, den sie an die Hundetrainerin vermietet hatten, lag neben dem Hof. Es war eine grosse eingezäunte Wiese. Die Lage war traumhaft, ringsum Blick auf Berge und Felder. Auf der Wiese lagen Tunnel, Hürden, Spielsachen, Hundenäpfe, so wie man sich eine grosse Spielwiese für Hunde vorstellt.

Wir waren die Ersten. Ich wollte mir erst alles in Ruhe anschauen und mit Torvi eine kleine Runde drehen, damit sie alles langsam inspizieren konnte.

Als ich sie aus dem Auto hob, war sie sofort ein anderer Hund.

Total aufgeregt, die Nase im Wind, der ganze Körper angespannt vor Neugier. Sie kannte diese Gegend nicht, diesen Geruch nicht. Ich war mit Leckerlis und Schleppleine ausgestattet, darum hatte die Trainerin im Vorhinein gebeten, und Torvi trug ihr neues Geschirr. Zu Hause hatten wir bereits ein paar Mal geübt, dieses anzulegen. Mit Belohnung hatte das gut geklappt. Nach und nach trudelten die anderen ein. Vorwiegend Frauen mit Welpen unterschiedlichster Rassen, ein Mann war auch dabei. Torvis Aufregung wuchs mit jeder Ankunft eines neuen Artgenossen. Insgesamt waren wir letztlich acht Hunde-Menschen-Teams.

Dann kam die Trainerin.

Sie war mir auf Anhieb sympathisch. Man merkte ihr an, dass Hunde ihr Leben sind. Sie selbst hatte eine Hündin mit strahlend weissem Fell dabei, Rasse unbekannt, Herkunft unbekannt. Sie hatte sie zu sich genommen, weil sie als Angsthündin galt. Die Trainerin sagte von Anfang an offen, dass ihre Hündin einfach da liegen und beobachten würde und dass sie es grundsätzlich nicht mochte, gestreichelt zu werden. Was mich beeindruckt hat: Die Hündin folgte ihr aufs Wort, auch auf grössere Distanz, still und aufmerksam. Ich dachte in dem Moment nur: Hoffentlich bekomme ich das mit Torvi auch irgendwann so hin.

Sie verteilte Matten an alle und bat uns, uns im Kreis aufzustellen, jeweils mit einer Matte daneben, auf der die Hunde während der Ruhepausen sitzen oder liegen sollten.

Es gab eine Vorstellungsrunde. Jeder stellte sich und seinen Welpen kurz vor. Rasse, Alter, was einen gerade beschäftigt oder wo es zu Hause hakt. Die Welpen waren zwischen zehn und elf Wochen alt.

Was mir am Grundkonzept der Stunden von Anfang an gut gefiel: Es ging nicht nur ums Spielen. Es ging um beides, Sozialisierung mit anderen Hunden, aber auch um Wissensvermittlung. In den zwei Spielrunden durften sich die Hunde jeweils fünf Minuten frei bewegen, immer in Zweier- oder Dreiergruppen, damit die Trainerin das Spiel beobachten und gegebenenfalls eingreifen konnte, wenn es kein echtes Spiel mehr war. Den Unterschied zwischen echtem Spiel und einer Situation, die für den Hund eigentlich nur noch Stress bedeutet, muss man erst lernen. Torvi wollte von vorneherein am liebsten einfach rennen und spielen. Wenn ein anderer Hund übermütig wurde, war sie diejenige, die ins Beschwichtigungsverhalten verfiel. Richtig gewehrt hat sie sich nicht. Das war eine Beobachtung, die mir schon jetzt auffiel, und ich war gespannt, wie sich das im Verlauf entwickeln würde.

In der restlichen Zeit traf man sich immer wieder im Kreis für kurze Theorieeinheiten und anschliessende Übungen. Diese kurzen Theorieeinheiten, in denen die Welpen ruhig auf der Matte neben einem liegen sollten, waren für die Kleinen die grösste Herausforderung. Stillsitzen, warten, nicht loslaufen. Torvi kannte die Worte Sitz und Platz schon, aber ohne ständige Belohnung war es kaum möglich, ihre Aufregung zu bändigen. Sie veränderte ihre Position immer wieder, war reaktiv auf jedes Geräusch und jede Bewegung, wollte einfach loslegen. Ich habe viel mit Leckerlis gearbeitet und gleichzeitig versucht, ihr Ruhe zu vermitteln. Das war gar nicht so einfach, das Zuhören fiel mir schwer, weil ich ständig den Fokus auf Torvi hatte.

In dieser Stunde war es vor allem wichtig, dass alle sich kennenlernen und die Hunde die Umgebung und die vielen fremden Gegenstände erkunden durften. Es waren ausser mir noch andere neu zu der Gruppe dazugestossen. So liefen wir als Hund-Mensch-Team über Hindernisse oder durch Tunnel. Über Untergründe, die sich unterschiedlich anfühlten: Matten, Folien, Teppiche. Was einfach klingt, war für manche Welpen alles andere als das. Alles war fremd, vor manchen Dingen hatten sie Angst, andere fanden sie aufregend. Diese Habituation an verschiedene Gegenstände ist unglaublich wichtig, damit erst gar keine Angst aufkommt. Mit der Habituation hatte ich ja im Personal Coaching und auch auf meinen eigenen Spaziergängen schon begonnen.

Die Trainerin beobachtete die Welpen nicht nur beim Spielen, sondern auch in der Interaktion mit ihren Halterinnen und gab direktes Feedback. Zunächst noch eher zurückhaltend und beobachtend, sie musste uns alle ja auch erst einmal kennenlernen. Ich dachte in dem Moment bereits, dass die Gruppengrösse vielleicht etwas zu gross war. Jedem wirklich individuelle Tipps zu geben und gleichzeitig Fragen zu beantworten war in einer Stunde kaum möglich. Ich war gespannt, wie das in den nächsten Stunden werden würde. Auch war ich gespannt, welches Feedback die Trainerin Torvi und mir geben würde. Aber ich war froh, dass ich noch einen Platz in einer Welpengruppe bekommen hatte, und war dankbar für diese Stunde.

Am Ende wurde besprochen, was man zu Hause für die nächste Stunde üben konnte und welche Themen als Nächstes angegangen werden sollten. Grundbegriffe wie Sitz und Platz, für Fortgeschrittene auch schon Bleib.

Die Stunde war so schnell vorbei, aber für die Kleinen war es auch genug. Torvi hatte so viel Spass gehabt, war so aufgedreht, hatte so vieles entdeckt, so viele Bekanntschaften gemacht, so viele Gerüche und Gegenstände kennengelernt. Jetzt war sie einfach k.o.

Auf dem Heimweg schlief sie im Auto, noch bevor wir das Gelände verlassen hatten.

Ich hatte die Zeit mit ihr so sehr genossen, dass ich auf den nächsten Sonntag wartete wie auf ein kleines Geschenk.

🐾 Torvi

Heute ist die Frau da.

Ich weiss inzwischen, dass sie einen Namen hat. Ich habe zugehört, wenn der Mann ihn sagt, leise, nebenbei. Zwei Laute, die immer gleich klingen und immer sie meinen. Auch der Mann hat einen. Ich habe mir beide gemerkt.

Aber wenn ich an sie denke, sind sie immer noch die Frau und der Mann. So kenne ich sie. So fühlen sie sich an.

Wir fahren mit dem Auto los. Wir fahren etwas länger als sonst und ich merke, heute ist etwas anders. Das Auto hält.

Schon bevor die Tür aufgeht, werde ich immer aufgeregter.

Die Luft riecht anders. Ich strecke sofort meine Nase hoch und atme tief ein. Da ist so viel. Erde. Gras. Alte Spuren von Hunden. Viele, sehr viele Hunde. Pferde auch. Eine grosse Wiese. Ich bin sofort hellwach.

Ich will los. Sofort. Alles zieht an mir.

Aber die Frau hält mich bei sich. Erst eine Runde laufen. Ich muss immer wieder zu der Wiese rüberschauen. Wir gehen am Zaun entlang, und ich spüre, da auf der Wiese passiert heute etwas Besonderes.

Dann kommen die anderen.

Ich rieche sie, bevor ich sie sehe. Kleine Hunde, einer nach dem anderen, und mit jedem neuen, der ankommt, steigt meine Aufregung. Da ist einer, der erst einmal stehen bleibt und alles beobachtet, bevor er entscheidet, ob er sich überhaupt bewegen soll. Ein anderer kommt wie ein kleiner Sturm, überall gleichzeitig, kaum zu fassen, voller Vorwärtsdrang. Dann wieder einer, der sich vorsichtig herantastet, Schritt für Schritt.

Dazwischen sind solche, die mutig wirken, direkt nach vorne gehen, alles sofort ausprobieren wollen, ohne lange nachzudenken. Andere bleiben dicht bei ihren Menschen, kommen nur halb nach vorne und ziehen sich gleich wieder zurück, als wären sie sich selbst noch nicht ganz sicher.

Mit jedem von ihnen wird die Luft lebendiger, und ich stehe mittendrin und versuche, alles gleichzeitig aufzunehmen.

Dann kommt noch eine Frau. Sie hat eine Hündin dabei, weiss, ruhig, die einfach nur liegt und schaut. Ich schaue kurz zu ihr. Sie schaut zurück. Dann schaut sie weg. Ich auch. Die neue Frau schaut uns alle an, ruhig, ohne sofort etwas zu wollen. Das finde ich in Ordnung.

Mein Körper zittert vor Aufregung. Ich soll sitzen, also setze ich mich kurz, stehe aber sofort wieder auf. Ich schaffe es einfach nicht, ruhig zu sitzen. Mein Kopf ist woanders. Bei den anderen, bei all dem, was da um mich herum passiert. Die Frau gibt mir immer wieder etwas Gutes. Das hilft. Aber ehrlich gesagt will ich einfach nur loslaufen.

Dann gehen wir auf die grosse Wiese.

Dort liegen Dinge. Fremde Dinge. Dinge, an denen schon andere Hunde geschnüffelt haben, ich rieche es sofort. Nach Spass. Nach Mut. Nach Angst. Nach Unbekanntem.

Ich gehe hin. Erst vorsichtig.

Ich stecke meinen Kopf in eine Öffnung. Es riecht nach vielen vor mir. Kurz ist es eng und dunkel, dann wieder frei und hell. Ich mache es nochmal, dieses Mal schon etwas schneller. Nochmal. Es fühlt sich so gut an.

Dann darf ich zu den anderen.

Ich stürme hin. Nase voran. Wir beschnuppern uns, kurz, wichtig, dann rennen wir. Wir drehen uns, stoppen, springen, spurten wieder los. Irgendwann hängt meine Zunge und meine Atmung geht ganz schnell. Egal. Ich vergesse alles um mich herum.

Zwischendurch ruft die Frau mich zurück. Warten. Stillsein. Das ist so viel schwerer als alles andere. Ich versuche es wirklich. Setze mich. Bleibe kurz. Dann bewegt sich irgendwo etwas, der Hund neben mir, ein Geräusch, ein Geruch, und mein Kopf ist sofort wieder weg.

Die Frau bleibt ruhig. Immer.

Ich weiss, dass sie bei mir ist.

Irgendwann wird alles langsamer. Ich bin müde und auch wieder nicht. Eigentlich will ich noch weiterrennen, aber meine Pfoten werden langsamer, mein Kopf ist voll von allem, was ich gerade erlebt habe.

Die Frau bringt mich nach Hause.

Ich lege mich sofort hin. Höre noch ihre Stimme. Vielleicht sagt sie meinen Namen.

Ich schlafe schon.

Aber tief in mir bleibt etwas. Ein Gefühl. Ein Ort.

Ich weiss jetzt, dass es diese Wiese gibt. Und mein ganzer Körper will dorthin zurück.

Nächste Woche: Das letzte Personal Coaching. Und eine Welpengruppe, in der Torvi zwischen Ablenkung und Ehrgeiz kämpft und am Ende alle überrascht. Mich am meisten.

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Hi, ich bin Irina

seitdem Torvi in mein Leben getreten ist, kann ich mir ein Leben ohne Hund nicht mehr vorstellen. Ich bin keine Trainerin und keine Expertin. Ich erzähle einfach, wie es ist: ehrlich, emotional und manchmal mit Tränen in den Augen. Vor Lachen und vor Liebe.

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Ich bin Torvi

ein foxred Labrador, drei Jahre alt, und laut Irina eine Frohnatur mit Hang zur Tollpatschigkeit. Ich erzähle meine Seite der Geschichte. Wie ich die Welt rieche, spüre und erlebe.

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