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Welpe auf BARF umstellen: was beim wachsenden Hund wirklich zählt
BARF für den Welpen klingt für viele nach dem natürlichsten Weg: frisch, selbst zusammengestellt, nah am Ursprung. Beim wachsenden Hund kommt es dabei aber auf mehr an als beim erwachsenen. Ein Welpe verzeiht Fehler in der Ration deutlich schlechter. Manche davon sieht man nicht sofort, und manche lassen sich später nicht mehr ausgleichen.
Warum der Welpe ein Sonderfall ist
Ein Welpe baut in wenigen Monaten sein Skelett, seine Muskulatur und einen grossen Teil seiner späteren Körperstruktur auf. In dieser Phase steuert die Ernährung das Wachstum mit. Wie sich Skelett und Muskulatur aufbauen, hängt direkt davon ab, was im Napf liegt. Eine selbst zusammengestellte Ration ist beim Welpen darum deutlich anspruchsvoller als beim erwachsenen Hund.
Der bekannteste Knackpunkt ist Calcium. Welpen und Junghunde können die Calciumaufnahme im Wachstum schlechter regulieren als erwachsene Hunde, die einen Überschuss weitgehend wieder ausscheiden. Zu wenig Calcium ist problematisch, zu viel genauso. Wichtig ist ausserdem, dass Calcium und Phosphor zusammenpassen: Referenzwerte wie die des NRC und der FEDIAF nennen für den wachsenden Hund ein angestrebtes Verhältnis von etwa 1,2:1 bis 1,4:1; die noch tolerierte Bandbreite reicht weiter, sollte beim Welpen aber nicht über rund 2:1 hinausgehen. Gerade bei grossen und sehr grossen Rassen können Fehler in dieser Phase Entwicklungsstörungen des Skeletts begünstigen. Fütterungsstudien von Dobenecker zeigen, dass beim wachsenden Hund schon eine dauerhafte Calcium-Überversorgung die Skelettentwicklung stören kann.
Wichtig ist die saubere Einordnung der Quellen. Studien zu selbst zusammengestellten Rationen zeigen häufige Imbalancen, viele davon bei erwachsenen Hunden. Für Welpen ist das Risiko aber heikler, weil der Bedarf enger geführt werden muss. Ein Fallbericht zu Berner-Sennenhund-Welpen zeigte deutlich, wie schnell selbst gut gemeinte BARF-Pläne im Wachstum bei Energie, Calcium, Phosphor, Spurenelementen und Vitaminen danebenliegen können.
Komplett und ausgewogen, nicht ungefähr
Fleisch allein ist für einen Welpen keine vollständige Mahlzeit. Es liefert hochwertiges Eiweiss, aber wenig Calcium und ein ungünstiges Verhältnis von Calcium zu Phosphor. Innereien, Knochen, Öle, Gemüse, Jod, Vitamin D, Vitamin E, Kupfer, Zink und weitere Nährstoffe müssen in der richtigen Menge zusammenkommen. Beim Jod kommt es dabei in beide Richtungen an: Zu wenig wie zu viel bringt die Schilddrüse aus dem Takt, und Fleisch mit Schilddrüsengewebe aus der Halsregion kann den Jodhaushalt zusätzlich durcheinanderbringen. Ein Futterplan nach Gefühl reicht beim wachsenden Welpen darum nicht aus.
Auch beliebte Faustregeln helfen hier nur begrenzt. Die bekannte 80/10/10-Aufteilung, also rund 80 Prozent Fleisch, 10 Prozent Knochen und 10 Prozent Innereien, oft «Prey Model» genannt, wirkt einfach, deckt aber vor allem den groben Energiebedarf. Gemessen an gängigen Bedarfswerten von NRC und FEDIAF kommen beim Welpen wichtige Nährstoffe wie Jod, Vitamin E oder Omega-3-Fettsäuren dabei regelmässig zu kurz. Als verlässliche Grundlage für den wachsenden Hund reicht die Faustregel deshalb nicht; sie ersetzt keine durchgerechnete Ration.
Eine Welpenration sollte berechnet sein: nach Alter, aktuellem Gewicht, erwartetem Endgewicht, Rasse, Wachstumskurve und Verträglichkeit. Das ist der Punkt, der BARF beim Welpen sicher macht. Das Problem ist selten das Rohfüttern an sich, sondern die ungeprüfte Ration. Wer die Ration sauber aufstellen lassen möchte, ist mit einer Rationsanalyse oder der Ernährungsberatung gut bedient.
Auch fertige BARF-Menüs solltest du nicht blind übernehmen. Begriffe wie «Komplettmenü» oder «Welpenmenü» klingen beruhigend, ersetzen aber keine Prüfung der Nährstoffversorgung. Entscheidend ist, ob die Ration zum Alter, zum erwarteten Endgewicht, zur Wachstumsphase und zum einzelnen Hund passt. Gerade bei grossen Rassen reicht «ungefähr richtig» nicht.
Besonders bei grossen Rassen zählt auch die Energie. Ein Welpe soll wachsen, aber nicht maximal schnell. Zu viel Energie kann ein zu rasches Wachstum fördern und zusammen mit Calcium und Phosphor das wachsende Skelett zusätzlich belasten. Bei der Rationsplanung geht es deshalb auch um ein sinnvolles Wachstumstempo und eine passende Körperentwicklung, nicht allein um einzelne Nährstoffe.
Wann und wie du umstellst
Der richtige Zeitpunkt ist nicht der erste chaotische Tag nach dem Einzug. Ein Welpe hat gerade seine vertraute Umgebung verlassen, schläft anders, riecht Neues, lernt neue Menschen kennen und verarbeitet viel. Wird das bisherige Futter vertragen, ist es oft sinnvoll, in den ersten Tagen nicht gleichzeitig auch noch die Ernährung komplett zu ändern.
Sobald der Welpe angekommen ist und ein ausgewogener Plan vorliegt, kannst du schrittweise umstellen. Meist ist ein Zeitraum von ein bis zwei Wochen sinnvoll. Beobachte Kot, Appetit, Energie, Gewicht und wie der Welpe das Futter verträgt. Wird der Kot weicher, der Welpe auffällig müde oder sehr unruhig, oder zeigt er wiederholt Durchfall oder Erbrechen, gehört das fachlich abgeklärt.
Die Menge richtet sich beim Welpen vor allem nach dem erwarteten Endgewicht, der Wachstumsphase und der individuellen Entwicklung, weniger nach einem festen Prozentsatz des aktuellen Körpergewichts. Darum ist eine Welpenration keine einmalige Berechnung für die nächsten zwölf Monate. Sie sollte während des Wachstums regelmässig überprüft werden, weil sich Bedarf, Gewicht und Futtermenge laufend verändern. Sinnvoll ist ein Startplan, ein Kontrollpunkt nach einigen Wochen und eine Anpassung bei deutlichen Wachstumssprüngen.
Calcium decken: Knochen, Supplement oder Rezeptur
Rohe, fleischige Knochen können Calcium liefern, sind beim unerfahrenen Welpen aber nicht automatisch die beste Lösung. Sie müssen zur Grösse, zum Kauverhalten und zur Verdauung des Hundes passen. Zu harte, zu kleine oder unpassende Knochen können Zähne brechen, im Hals oder Darm stecken bleiben oder zu Verstopfung führen. Gekochte Knochen gehören grundsätzlich nicht in den Napf: Durch das Kochen werden sie spröde und splittern in scharfe Stücke.
Der Calciumbedarf lässt sich auch über geeignete Calciumquellen oder eine geprüfte Rezeptur decken. Wichtig ist, dass die Menge stimmt und das Verhältnis zu Phosphor passt, unabhängig davon, ob das Calcium aus Knochen oder einem Supplement stammt. Beim Welpen ist diese Rechnung keine Nebensache. Vorsicht ist auch bei Supplementen geboten: Fettlösliche Vitamine wie Vitamin D haben eine enge Sicherheitsspanne, eine Überdosierung über Präparate oder Lebertran kann Nieren und Kreislauf belasten. Auch hier zählt die berechnete Menge.
Hygiene, gerade beim Welpen
Rohes Fleisch kann Keime tragen, darunter Salmonellen, Campylobacter und antibiotikaresistente Bakterien. Das betrifft den Hund und den Haushalt gleichermassen. Eine Schweizer Untersuchung fand in rohem Heimtierfutter unter anderem Enterobacteriaceae mit Resistenzmerkmalen. Neuere Ausbruchsdaten zeigen ebenfalls, dass roh gefütterte Hunde Keime in Haushalte tragen können, besonders heikel für kleine Kinder und immungeschwächte Menschen.
Beim Welpen kommt ein Punkt dazu: sein Immunsystem ist noch unreif. Gerade in den ersten Monaten steckt er eine Keimbelastung schlechter weg als ein gesunder erwachsener Hund. Saubere Hygiene schützt damit den Haushalt und den Welpen selbst.
Für Welpenhaushalte heisst das konkret: sauber auftauen, am besten im Kühlschrank; getrennte Bretter und Messer; Hände, Flächen und Napf konsequent reinigen; Reste nicht lange stehen lassen; Kinder nicht mit rohem Futter oder Futternäpfen spielen lassen. Einfrieren kann bestimmte Parasitenrisiken senken. Keime wie Salmonellen tötet es aber nicht zuverlässig ab, und steril wird rohes Fleisch dadurch nicht. Küchenhygiene ersetzt es nicht.
Das macht BARF nicht unmöglich. Es heisst nur, dass Rohfütterung Verantwortung braucht. Wer rohes Fleisch füttert, muss die mikrobiologische Seite genauso ernst nehmen wie die Nährstoffberechnung.
Wann du dir Hilfe holst
Die wichtigste Botschaft ist einfach: BARF kann beim Welpen gut funktionieren, aber es ist kein Ort für Pi-mal-Daumen. Lass die Ration berechnen, besonders bei grossen und sehr grossen Rassen, bei sehr jungen Welpen, bei Verdauungsproblemen oder wenn du unsicher bist, ob Calcium, Phosphor und Spurenelemente stimmen.
Und falls dir das zu aufwendig ist: ein hochwertiges, für das Wachstum geprüftes Alleinfutter ist beim Welpen eine völlig legitime und risikoärmere Wahl. BARF ist kein Muss, sondern eine von mehreren tragfähigen Optionen, sofern du sie sauber umsetzt.
Tierärztlich abklären solltest du Lahmheit, Steifheit, auffälliges Wachstum, wiederholten Durchfall, Erbrechen, starke Müdigkeit, schlechtes Fressen oder Schmerzen. Solche Zeichen müssen nicht von der Ration kommen, gehören aber nicht in eine Futter-Experimentierphase.
BARF ist beim Welpen also nicht von vornherein falsch und auch nicht von selbst die bessere Wahl. Es wird gut, wenn es berechnet, hygienisch sauber und an den wachsenden Hund angepasst ist. Der Unterschied zwischen sinnvoll und riskant liegt in den Details. Und gerade beim Welpen entscheiden diese Details über eine gesunde Entwicklung.
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Quellen und weiterführende Literatur
- Mack, J. K., & Kienzle, E. (2016): Inadequate nutrient supply in «BARF» feeding plans for a litter of Bernese Mountain Dog-puppies. A case report. Tierärztliche Praxis Ausgabe K: Kleintiere / Heimtiere, 44(5): 341–347. doi:10.15654/TPK-151091
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- Böswald, L. F., Klein, C., Dobenecker, B., & Kienzle, E. (2019): Factorial calculation of calcium and phosphorus requirements of growing dogs. PLOS ONE, 14(8): e0220305. doi:10.1371/journal.pone.0220305
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- Bernaquez, I., Dumaresq, J., Picard, I., et al. (2025): Dogs fed raw meat-based diets are vectors of drug-resistant Salmonella infection in humans. Communications Medicine, 5: 214. doi:10.1038/s43856-025-00919-2
- CDC, Centers for Disease Control and Prevention (2025): About Pet Food Safety. Hinweis: Einfrieren, Gefriertrocknen oder Dehydrieren reduziert Keime, tötet aber nicht alle Keime auf rohem tierischem Protein ab.
- NRC, National Research Council (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats. National Academies Press, Washington DC.
- FEDIAF (2025): Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. European Pet Food Industry Federation.
Ich bin Michael
Mitgründer von foxred & brindle und verantwortlich für die BARF-Ernährungsberatung. Artgerechte Fütterung ist für mich kein Trend, sondern Grundlage. Ich schreibe über das, was ich in der Praxis sehe und was Hundehalter wirklich wissen wollen: fundiert, direkt und ohne Umwege.