Zahnwechsel beim Junghund: Ablauf, Symptome und wie du helfen kannst

Brindle-Welpe im Zahnwechsel kaut auf einer Karotte als kühlenden Kaureiz

Wissen, das bleibt

Zahnwechsel beim Junghund: Ablauf, Symptome und wie du helfen kannst

Dein Welpe kaut plötzlich auf allem, frisst zögerlicher als sonst, und du findest einen kleinen weissen Zahn auf dem Spielteppich. Der Zahnwechsel hat begonnen. Für viele Halter kommt diese Phase überraschend, dabei ist sie einer der intensivsten Entwicklungsabschnitte im ersten Lebensjahr.

Was im Maul passiert

Welpen entwickeln zunächst 28 Milchzähne. Ausgewachsene Hunde haben 42 bleibende Zähne: mehr Zähne, mehr Fläche, mehr Stabilität. Dieser Umbau passiert zwischen dem dritten und siebten Lebensmonat, bei grossen Rassen oft früher als bei kleinen. Die Reihenfolge ist relativ vorhersehbar. Grob folgt der Wechsel der Reihenfolge Schneidezähne, Eckzähne, Prämolaren, wobei sich die Phasen zeitlich überlappen können. Die Molaren kommen als bleibende Zähne neu hinzu, sie haben keine Milchvorgänger. Der Wechsel verläuft nicht immer gleichmässig. Beide Kieferhälften entwickeln sich häufig leicht versetzt.

Was du beobachten kannst

Die meisten Hunde zeigen in dieser Phase ein verändertes Kauverhalten. Sie kauen intensiver, kauen an Dingen, die sie vorher ignoriert haben, und suchen verstärkt nach Kaureizen. Gleichzeitig kann das Kauen schmerzhaft sein: Einige Hunde fressen langsamer oder nehmen Futter kurzzeitig weniger gerne auf.

Milchzähne fallen oft einfach aus und werden vom Hund geschluckt oder liegen irgendwo im Haus. Das ist normal und harmlos. Du wirst nicht jeden Zahn finden. Zahnfleischblutungen in kleinen Mengen sind ebenfalls unauffällig. Ein leichter Mundgeruch kann in dieser Zeit normal sein. Er entsteht durch leichte Blutungen und Wundheilungsprozesse am Zahnfleisch und ist kein Grund zur Sorge, solange er mild bleibt und mit dem Abschluss des Zahnwechsels wieder verschwindet.

Wie du den Zahnwechsel unterstützen kannst

Das Wichtigste ist geeignetes Kaumaterial. Gefriergetrocknete Ohren, Rinderkopfhaut oder feuchte, gefrorene Waschlappen kühlen das Zahnfleisch und bieten Kaureiz. Gummi-Spielzeug mit mittlerer Härte ist ebenfalls geeignet. Eine einfache und kalorienarme Option sind eingefrorene Karotten. Sie lassen sich der Grösse des Hundes anpassen: Ein Labrador bekommt eine ganze Karotte, ein kleiner Hund eine halbe oder ein Stück. Auch Brokkolistrunk funktioniert gut. Wer einen Hund mit empfindlichem Verdauungstrakt hat, kann Karotte oder Strunk etwa 30 Minuten weich kochen und danach einfrieren. Das macht das Gemüse bekömmlicher, der Kühleffekt bleibt erhalten.

Achte dabei aber immer auf die konkrete Härte des Produkts. Manche Kauartikel fallen je nach Verarbeitung deutlich härter aus, als sie auf den ersten Blick wirken. Zu hartes Material kann schaden. Knochen, Geweihstücke oder sehr hart gepresste Kauartikel können in dieser Phase Schmerzen oder Zahnverletzungen verursachen, weil Gebiss und Zahnfleisch während des Zahnwechsels besonders empfindlich sind. Die Faustregel: Wenn du mit dem Daumennagel keinen Abdruck im Material hinterlassen kannst, ist es für diese Phase zu hart.

Wer barft, sollte Calcium nicht nach Gefühl zusätzlich supplementieren. Eine bedarfsdeckend geplante Rohfütterung berücksichtigt Calcium und Phosphor bereits. Unkontrollierte Zugaben stören das Calcium-Phosphor-Verhältnis und können die Knochenentwicklung beeinträchtigen.

Die Zahnwechselphase eignet sich gut, um den Hund schrittweise an das Handling am Maul und an die Zahnpflege zu gewöhnen. Wer hier ansetzt, hat es später deutlich einfacher.

Ein kurzer Blick auf persistierende Milchzähne

Ein besonderes Augenmerk verdienen persistierende Milchzähne. Das bedeutet: Ein Milchzahn bleibt stehen, obwohl der bleibende Zahn bereits durchbricht. Dadurch können Engstände, Fehlstellungen und langfristige Zahnprobleme entstehen. Besonders kleine Hunderassen sind häufiger betroffen (Wallis et al. 2024). Persistierende Milchzähne und die daraus resultierenden Fehlstellungen haben zudem eine erbliche Komponente. Wer züchtet und wiederholt ähnliche Probleme in bestimmten Linien sieht, sollte das dokumentieren und in der Zuchtplanung berücksichtigen. Käufer eines Welpen profitieren davon, wenn der Züchter sie aktiv auf das Thema hinweist und erklärt, worauf sie in den ersten Monaten achten sollen.

Für Hundehalter ist vor allem wichtig: Wenn ein bleibender Zahn sichtbar wird und der dazugehörige Milchzahn nicht weicht, sollte der Tierarzt draufschauen.

Wann du zum Tierarzt gehst

Routinemässig: beim Welpen-Check zwischen dem fünften und siebten Monat, wenn der Tierarzt den Stand des Zahnwechsels beurteilen kann. Sofort: bei persistierenden Milchzähnen, bei Zahnfehlstellungen, bei starken Schmerzzeichen, bei Futterverweigerung über mehrere Tage oder bei deutlichem, anhaltendem Mundgeruch.

Der Zahnwechsel ist eine kurze Phase. Wer sie aufmerksam begleitet, legt die Grundlage für gesunde Zähne im gesamten Hundeleben.

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Quellen und weiterführende Literatur

  1. Merck Veterinary Manual (laufend aktualisiert): Developmental Abnormalities of the Mouth and Dentition in Small Animals. merckvetmanual.com
  2. Wallis, C., Ivanova, A., & Holcombe, L. J. (2024): Persistent deciduous teeth: Association of prevalence with breed, breed size and body weight in pure-bred client-owned dogs in the United States. Research in Veterinary Science, 169: 105161. doi:10.1016/j.rvsc.2024.105161
  3. NRC – National Research Council (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats. National Academies Press, Washington DC.
  4. FEDIAF (2024): Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. European Pet Food Industry Federation.
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Ich bin Michael

Mitgründer von foxred & brindle und verantwortlich für die BARF-Ernährungsberatung. Artgerechte Fütterung ist für mich kein Trend, sondern Grundlage. Ich schreibe über das, was ich in der Praxis sehe und was Hundehalter wirklich wissen wollen: fundiert, direkt und ohne Umwege.